Der Begriff der gelebten Geschichte, der ursprüglich in den USA durch den englischen Begriff "living history" geprägt wurde, definiert sich laut Wikipedia folgendermaßen:

"Living History (englisch für „gelebte Geschichte“) nennt man die Darstellung historischer Lebenswelten durch Personen, deren Kleidung, Ausrüstung und Gebrauchsgegenstände in Material und Stil möglichst realistisch der dargestellten Epoche entsprechen. Die Darstellung kann im privaten Rahmen oder bei öffentlichen Veranstaltungen stattfinden."

Oft wird "living history" von Außenstehenden mit dem "reenactment", also dem Nachstellen tatsächlicher Ereignisse (meist kriegerischer Art) gleichbedeutet gesetzt. Dies stimmt aber nur in Einzelfällen.

 

Für uns bedeutet gelebte Geschichte, dass wir durch die möglichst authentische Rekonstruktion und die anschließende Benutzung von Alltagsgegenständen der Zeit versuchen, alltägliche Lebenssituationen der Menschen des späten Mittelalters nachzustellen. Es ist uns hierbei natürlich vollkommen klar, dass dies nur in eingeschränktem Maße möglich ist, denn wir sind moderne Menschen, die moderne Hilfsmittel nutzen und uns mit den Problemen des modernen Lebens befassen müssen.

Aber wir können in rekonstruierter Kleidung aus zeitgenössischen Materialien z.B. das Handwerk eines Paternosterers vorführen, können also dem Besucher zeigen, wie der Handwerker aussah und mit welchen Werkzeugen er sein Handwerk ausführte. Oder wir können mit Kopien von Akten und Schriftstücken und historischem Schreibzeug zeigen, wie ein Stadtschreiber arbeitete. Unser Ziel dabei ist es, die Rekonstruktionen unserer Gebrauchsgegenstände so genau am Original zu halten, dass der Besucher unserer Veranstaltungen die Möglichkeit hat, Dinge zu "begreifen", die er im Museum auf Entfernung nur durch die Glaswände von Vitrinen betrachten kann.

Es hat sich in den Jahren unserer Aktivitäten gezeigt, dass dem Besucher eben dieses Anfassen von Objekten, das Ertasten der Struktur verschiedener Lederarten, das Fühlen des Gewichtes von Ringpanzergeflechten aber auch das Riechen von auf dem Feuer zubereitetem Essen die nachhaltigsten Erinnerungen bescheren. Gerade Kinder, die aufgrund der heutigen Lebenssituation nur selten mit solchen Eindrücken konfrontiert werden, profitieren von dieser Art der Wissensvermittlung.

Bestätigt sehen wir dies u.a. immer wieder durch Schlangen von Kindern vor der Seilerbahn und dem freudigen Gesicht, wenn sie ein Stückchen selbst hergestelltes Seil mit nach Hause nehmen können.

 

Eine Besonderheit des Vereins möchten wir allerdings noch erwähnen: Unsere Veranstaltungen sind sogenannte 24/7 Veranstaltungen... das bedeutet, dass wir auch nach Veranstaltungsschluß in der historischen Kleidung verbleiben und alles Moderne verpackt lassen. Nur im persönlichen Bereich der Mitglieder dürfen moderne Dinge genutzt werden, bleiben aber für die Gruppe unsichtbar. Diese Illusion vom "echten" Leben im Spätmittelalter gestehen wir uns zu, essen aus Geschirr nach Originalfunden, spielen Karten mit Rekonstruktionen historischer Kartenspiele und tanzen und singen zur Musik der Zeit.