Bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts blieb das Armbrustschießen neben den Büchsen die Kerndisziplin der Schützenfeste.

Wie auch beim Büchsenschießen, wurden die Regeln für das Schießen im Schützenbrief der ladenden Stadt festgeschrieben. Wir wollen auch hier nicht, ebenso wie beim Büchsenschießen, unerwähnt lassen, dass das Ziel in seiner wahren Größe auf einigen Schützenbriefen in Form eines Kreises oder einer Kreisfläche angegeben war.

Auch sei hier noch einmal zur bildlichen Darstellung der Kölner Schützenbrief von 1480 erwähnt.

 

Besonders interessant bei dem Schießen mit der Armbrust sind folgende Regeln: (Quelle: Schützenbrief der Stadt Ulm von 1468)

"Es soll auch ein yglicher einen geschriben polcz schissenn mit unsers schreybers hantgeschrifft, und welcher einen andern polcz schissen wollt der soll den vor geschriben polz brengen das man den Namen abethu, und auch schissen auffgerecht mit freyem swebendem arme und abgetrenten wammas oermel, dass die sewl der achszeln und der schüszel der prust net ruere, und auch uff freyem stul an onlehnen ganzt an allen geferliche vorteyl"

Der Wettkampfbolzen war also vom Schreiber mit dem Namen des Schützen gekennzeichnet. Sollte ein anderer Bolzen geschossen werden, mußte der alte aus dem Wettkampf genommen werden (der Namen wurde entfernt). Geschossen wurde aufrecht auf einem Stuhl ohne Lehne sitzend, mit abgetrennten Wamsärmeln (andere Schützenbriefe schreiben vor, ganz ohne Wams, also hemdsärmelig zu schießen). Weder durfte die Säule der Armbrust unter die Achsel geklemmt werden, noch das Schloß die Brust berühren.

 

Hier sehen Sie einige Fotos des spätmittelalterlichen Armbrustschießens auf der Burg Puchberg in Österreich im Jahre 2016:

 

Auch die Bestrafung des Schützen bei Zuwiderhandlung ist im Schützenbrief geregelt (auch hier wieder ein Auszug aus dem Ulmer Schützenbrief von 1468):

"Welcher das nit thet, oder zwen polcz eyns schuß schüsse der wer den andern schiszgesellen seinem schuszczwg verfallen und stünd darnach zu straffen nach gemeyner gesellen erkentnisz"

Wer also gegen diese Regeln verstößt, muß den Schießgesellen sein Schießzeug übergeben und wird danach nach Dünken der Gesellen bestraft.