Einer der Höhepunkte der spätmittelalterlichen Schützenfeste war der "Glückshafen", einer Tombola , bzw. Lotterie. Der Begriff "Hafen", steht hierbei für den "Lostopf". Der Begriff leitet sich vom Mittelhochdeutschen "haven" ab.

 

In zwei Lostöpfen befanden sich einmal die Lose mit den Preisen und einmal die Lose mit den Namen der Loskäufer. Statistisch erhöhte sich die Chance auf Gewinne mit der Anzahl der gekauften Lose.

Bei der Ziehung wurde nun als erstes aus dem Preistopf der Preis gezogen und dann aus dem Glückshafen der Name des Gewinners.

 

Um sich den Umfang eines großen Glückshafens vorstellen zu können, dient die Zahl der verkauften Lose des Augsburger Stahlschießens von 1470:

"Die Einlage kostete für einen Zettel 8 Heller. 36,464 Zettel wurden eingelegt." (Quelle: Augsburg und seine Stahl-Schießen: ein geschichtliches Fragment - Augsburg 1824)

 

Auch Art und Menge der Preise sind uns aus den Schützenbriefen bekannt. Die Ausschreibung enthielt die genaue Auflistung der "abenthewr" (also Abenteuer), die gewonnen werden konnten, um möglichst viele der Gäste zum Kauf von Losen zu animieren. So lesen wir im Ulmer Schützenbrief von 1468:

"Auch wollen wir auszgeben Sybenzehen abenthewr ausz dem hafen oder putten. Nemlich des ersten ein Silbrein verdeckten becher uff einem fusz für einunddreyszig gülden. Item einen silbrein verdeckten becher uffeinem fusz für sechsz undczweinczig gulden. Item vier Silbrein becher für sechczehen gulden. Item zwen Silbrein becher fur zwelff gu(e)lden. Item zwen silbrein becher fur czehen gülden [...]"

 

Ein weiterer Bericht, zum "Glückshafenrodel" des Zürcher Freischießen von 1504 kann hier eingesehen werden: Lotterie-Fieber vor 500 Jahren