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Herzlich Willkommen auf den Seiten von 1476 staedtisches Aufgebot e.V.

Wie Sie feststellen werden, befindet sich unsere Seite zur Zeit inhaltlich noch im Aufbau. Dem zum Trotz möchten wie Ihnen schon einen Einblick geben, wer wir sind und was wir tun:

 

1476 staedtisches Aufgebot e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Deutschland. Wir haben es zu unserer Aufgabe gemacht, der Öffentlichkeit das Leben und die Kultur der Menschen des späten Mittelalters - in unserem konkreten Fall die Zeit um das Jahr 1476 - im südlichen Raum des deutschen Reiches näherzubringen und "begreifbar" zu machen. Das erreichen wir durch eine Kombination der Methoden der "Gelebten Geschichte" (ursprünglich aus dem englischen living history) und durch "Displays" oder auch "Erklärstationen".

Wir beschränken uns hierbei nicht auf das zivile Leben des späten 15. Jahrhunderts, sondern zeigen auch das militärische Leben der Zeit. Das zeigt sich im Besonderen auch durch unseren Namen. Ein "staedtisches Aufgebot" war ein Kontigent aus Bürgern einer Stadt, die im Alltagsleben vielleicht Handwerker oder Händler waren, die aber im Konfliktfall ihrer Verpflichtung nachkamen und die Stadt verteidigten, oder, wie z.B. im Falle der Belagerung von Neuss, auf Aufruf des Kaisers an Kriegseinsätzen teilnahmen.

Besucherveranstaltungen sind für uns allerdings nur die öffentliche Präsentation unserer Recherche- und Rekonstruktionsergebnisse. Die meiste Zeit in diesem Hobby benötigen wir für Quellenrecherche und -analyse, sowie die Rekonstruktion von Kleidung, Werkzeugen, Schriftstücken und der Erarbeitung von Fertigkeiten, wie z.B. dem Kochen nach zeitgenössischen Rezepten auf offenen Feuerstellen oder dem Bau von zeitgenössischen Wagenrädern für Kanonen, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

Öffentlich sind wir im Regelfall nur auf musealen Veranstaltungen anzutreffen, wie z.B. bei den Mittelaltertagen des Freilandmuseums Bad Windsheim. Wir trennen uns hier ganz klar und bewußt von dem Trend von Mittelaltermärkten, die als Vergnügungsveranstaltung sicher eine Existenzberechtigung haben, aber zur Vermittlung von Wissen über die Lebensweise unserer Vorfahren ungeeignet sind.

 

Wir hoffen, Sie für unseren Verein und seine Ziele begeistern zu können. Bitte scheuen Sie sich nicht, uns bei Fragen über die angegebenen Möglichkeiten zu kontaktieren.

 

 

Herzliche Grüße - der Vorstand von 1476 staedtisches Aufgebot e.V.

 

 

 

Der Begriff der gelebten Geschichte, der ursprüglich in den USA durch den englischen Begriff "living history" geprägt wurde, definiert sich laut Wikipedia folgendermaßen:

"Living History (englisch für „gelebte Geschichte“) nennt man die Darstellung historischer Lebenswelten durch Personen, deren Kleidung, Ausrüstung und Gebrauchsgegenstände in Material und Stil möglichst realistisch der dargestellten Epoche entsprechen. Die Darstellung kann im privaten Rahmen oder bei öffentlichen Veranstaltungen stattfinden."

Oft wird "living history" von Außenstehenden mit dem "reenactment", also dem Nachstellen tatsächlicher Ereignisse (meist kriegerischer Art) gleichbedeutet gesetzt. Dies stimmt aber nur in Einzelfällen.

 

Für uns bedeutet gelebte Geschichte, dass wir durch die möglichst authentische Rekonstruktion und die anschließende Benutzung von Alltagsgegenständen der Zeit versuchen, alltägliche Lebenssituationen der Menschen des späten Mittelalters nachzustellen. Es ist uns hierbei natürlich vollkommen klar, dass dies nur in eingeschränktem Maße möglich ist, denn wir sind moderne Menschen, die moderne Hilfsmittel nutzen und uns mit den Problemen des modernen Lebens befassen müssen.

Aber wir können in rekonstruierter Kleidung aus zeitgenössischen Materialien z.B. das Handwerk eines Paternosterers vorführen, können also dem Besucher zeigen, wie der Handwerker aussah und mit welchen Werkzeugen er sein Handwerk ausführte. Oder wir können mit Kopien von Akten und Schriftstücken und historischem Schreibzeug zeigen, wie ein Stadtschreiber arbeitete. Unser Ziel dabei ist es, die Rekonstruktionen unserer Gebrauchsgegenstände so genau am Original zu halten, dass der Besucher unserer Veranstaltungen die Möglichkeit hat, Dinge zu "begreifen", die er im Museum auf Entfernung nur durch die Glaswände von Vitrinen betrachten kann.

Es hat sich in den Jahren unserer Aktivitäten gezeigt, dass dem Besucher eben dieses Anfassen von Objekten, das Ertasten der Struktur verschiedener Lederarten, das Fühlen des Gewichtes von Ringpanzergeflechten aber auch das Riechen von auf dem Feuer zubereitetem Essen die nachhaltigsten Erinnerungen bescheren. Gerade Kinder, die aufgrund der heutigen Lebenssituation nur selten mit solchen Eindrücken konfrontiert werden, profitieren von dieser Art der Wissensvermittlung.

Bestätigt sehen wir dies u.a. immer wieder durch Schlangen von Kindern vor der Seilerbahn und dem freudigen Gesicht, wenn sie ein Stückchen selbst hergestelltes Seil mit nach Hause nehmen können.

 

Eine Besonderheit des Vereins möchten wir allerdings noch erwähnen: Unsere Veranstaltungen sind sogenannte 24/7 Veranstaltungen... das bedeutet, dass wir auch nach Veranstaltungsschluß in der historischen Kleidung verbleiben und alles Moderne verpackt lassen. Nur im persönlichen Bereich der Mitglieder dürfen moderne Dinge genutzt werden, bleiben aber für die Gruppe unsichtbar. Diese Illusion vom "echten" Leben im Spätmittelalter gestehen wir uns zu, essen aus Geschirr nach Originalfunden, spielen Karten mit Rekonstruktionen historischer Kartenspiele und tanzen und singen zur Musik der Zeit.

Bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts blieb das Armbrustschießen neben den Büchsen die Kerndisziplin der Schützenfeste.

Wie auch beim Büchsenschießen, wurden die Regeln für das Schießen im Schützenbrief der ladenden Stadt festgeschrieben. Wir wollen auch hier nicht, ebenso wie beim Büchsenschießen, unerwähnt lassen, dass das Ziel in seiner wahren Größe auf einigen Schützenbriefen in Form eines Kreises oder einer Kreisfläche angegeben war.

Auch sei hier noch einmal zur bildlichen Darstellung der Kölner Schützenbrief von 1480 erwähnt.

 

Besonders interessant bei dem Schießen mit der Armbrust sind folgende Regeln: (Quelle: Schützenbrief der Stadt Ulm von 1468)

"Es soll auch ein yglicher einen geschriben polcz schissenn mit unsers schreybers hantgeschrifft, und welcher einen andern polcz schissen wollt der soll den vor geschriben polz brengen das man den Namen abethu, und auch schissen auffgerecht mit freyem swebendem arme und abgetrenten wammas oermel, dass die sewl der achszeln und der schüszel der prust net ruere, und auch uff freyem stul an onlehnen ganzt an allen geferliche vorteyl"

Der Wettkampfbolzen war also vom Schreiber mit dem Namen des Schützen gekennzeichnet. Sollte ein anderer Bolzen geschossen werden, mußte der alte aus dem Wettkampf genommen werden (der Namen wurde entfernt). Geschossen wurde aufrecht auf einem Stuhl ohne Lehne sitzend, mit abgetrennten Wamsärmeln (andere Schützenbriefe schreiben vor, ganz ohne Wams, also hemdsärmelig zu schießen). Weder durfte die Säule der Armbrust unter die Achsel geklemmt werden, noch das Schloß die Brust berühren.

 

Hier sehen Sie einige Fotos des spätmittelalterlichen Armbrustschießens auf der Burg Puchberg in Österreich im Jahre 2016:

ArmbrsteBolzen

Aldi ArmbrustAldi Armbrust2Alex ArmbrustDavid Armbrust

WindeSpannenMartin ArmbrustChris Armbrust

 

Auch die Bestrafung des Schützen bei Zuwiderhandlung ist im Schützenbrief geregelt (auch hier wieder ein Auszug aus dem Ulmer Schützenbrief von 1468):

"Welcher das nit thet, oder zwen polcz eyns schuß schüsse der wer den andern schiszgesellen seinem schuszczwg verfallen und stünd darnach zu straffen nach gemeyner gesellen erkentnisz"

Wer also gegen diese Regeln verstößt, muß den Schießgesellen sein Schießzeug übergeben und wird danach nach Dünken der Gesellen bestraft.

 

 

 

Ebenfalls im 15.Jahrhundert entwickelten sich die ersten "Schützenketten". Diese wurden dem "Schützenkönig" auf Zeit verliehen. Ebenso finden wir Berichte über sogenannte "landcleynodte", prinzipiell Wanderpokale, die von Schützen gewonnen und in deren Heimatstadt verbracht wurden. Eine Referenz findet sich im liber diversarum formarum 19 in den Akten des Hochstift Würzburg, p. 127-128 bzgl. des Schützenbriefs der Stadt Würzburg vom 29.Mai 1501:

"naemlich um das landtcleynatt der armbrustschuetzen, das die schuetzenmeister und schiessgesellen aus wuerzburg vor einem jahr zu gerolzhofen gewonnen haben [...] um das landtcleynodt der buechsenschuetzen, das die schossmeister und schiessgesellen von wuerzburg vor einem jahr zu mainstockheim gewonnen haben [...]"

 

Einige Originale Schützenketten aus dem 15. Jahrhundert sind bis heute erhalten geblieben:

 

Basierend auf diesen bestehenden Originalen haben wir ein Cleynodt für unsere eigenen Schützenfeste, die im zweijährigen Rythmus szeneintern stattfinden, angefertigt. Dieses Cleynodt erhält nun nach und nach von den Schützen des jeweils besten Aufgebotes eine Plakette mit den Insignien der Stadt, für die das Aufgebot am Wettbewerb teilnahm.